Tom Hegen
Die Salinen, die Tom Hegen für seine «Salt Series» aus der Luft fotografiert hat, sind Orte, an denen die Grenze zwischen menschlicher Gestaltungskraft und natürlich gewachsenen Landschaften verschwimmt. Wasserbecken erscheinen als Meeresbuchten, Dämme als Küstenstreifen und Salzlager als Wüsten. Die Bakterien im Salzwasser, die aufgrund der Verdunstung und höherer Salzkonzentration ihre Farbe ändern, verwandeln die Seenlandschaft zu einem abstrakten Gemälde aus faszinierenden Nuancen. Was hier als Industrielandschaft binnen weniger Jahre entstanden ist, sieht aus wie das Zeugnis eines großen erdgeschichtlichen Entstehungsprozesses. Mensch und Natur sind bei der bei der Gestaltung des Planeten also längst zu ebenbürtigen Einflussgrößen geworden. Ob dreckige Bergwerke, mächtige Staudämme, eingepferchte Äcker oder asphaltierte Straßen, die Wälder zerteilen: Der Raubbau am Planeten ist eines der Themen unserer Zeit. Dabei wirkt der menschliche Eingriff in Umwelt und Natur alles andere als ästhetisch. Der Fotograf Tom Hegen kehrt diese Motive ins Gegenteil. Er inszeniert den Blick auf unsere Erde und verleiht den vom Menschen geprägten Landschaften eine Ruhe und Schönheit, die fasziniert aber auch nachdenklich macht und zeigt, dass kaum ein Flecken Erde noch unberührt ist. Seine Aufnahmen sind abstrakt und ästhetisch und laden ein, unsere Erde aus einer neuen Perspektive zu entdecken. Die vertikale Aufsicht ist visueller Nachhilfeunterricht, eine ungewohnte Schule des Sehens, ein Portrait unserer Zivilisation und eine homage an die Einzigartigkeit unseres Planeten: Die Siedlungen, Felder und Flüsse, spätestens aus Jetflughöhe erkennt das Auge in dem Chaos wohltuende Ordnungen. In diesem Sinne hilft das Luftbild-Makroskop zu erkennen, dass wir Teil eines faszinierenden, schützenswerten Planeten sind.
- Fine Art
2020
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