Markus Maeder (1945) hat in Zürich deutsche Literatur und Geschichte studiert. Nach einigen Jahren als freier Journalist in Afrika, Indien und der Volksrepublik China arbeitete er als Redaktor beim Zürcher Tages Anzeiger und führte beim Schweizer Fernsehen in zahlreichen Dokumentarfilmen Regie. Seit 2001 schreibt er als freier Autor und fotografiert, was ihm ins Auge springt.
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photoSCHWEIZ 2024
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In den seligen fünfziger Jahren stand der erste VW-Käfer meiner Eltern noch einsam am Strassenrand. Am Samstagmorgen zauberte Papi mit Schwamm und Seifenwasser frischen Glanz auf Lack und Chrom. Tempi passati. Automatische Seelenreinigungsanlagen erlösen uns am laufenden Band von Fahrscham und einem latent schlechten Gewisssen. Frischauf zur freien Fahrt ins Glück, ins Ungewisse.
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Wenn Fels und Steine reden würden. Von Milliarden Jahren Erdgeschichte könnten sie erzählen. Tun sie aber nicht. Sind einfach da. Zum Bleiben. Ihr eigenes Denkmal. Man könnte sich an ihnen die Zähne ausbeissen und den Kopf blutig denken. Was ich erahne, halte ich mit der Kamera fest, wenn ich jenseits des obersten Parkplatzes in den Bergen auf meine Fussgänge gehe. Fels am Silsersee.
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photoSCHWEIZ 2023
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NEULAND Wo Gletscher schmelzen, lockt Terra Incognita zur Entdeckung und Eroberung: Stück für Stück etwas höher hinauf in die frisch gewonnene Eisfreiheit. Unwirtlich ists im weglosen Fels, wo der Gletscher noch im vergangenen Frühling den Zutritt verwehrte. Nicht viel wird frei jedes Jahr, doch zur Erfahrung im Unbehausten ist alles vorhanden. Fast wie Adam und Eva geben wir uns einem Hauch von Wildheit, Verlockung und Verlorenheit hin. Wo es an Lebensraum mangelt, sind die Begierden nicht fern. Algen, Flechten und Moose ergreifen Besitz von Geröll, Geschiebe und Sand, und bald schon führen gelbe Wanderpfeile durchs Grün von Arven und Lärchen auf dem gestrigen Gletschergrund. Vom Linthgletscher, der einst das Gebiet der Stadt Zürich bedeckte, werden wir uns wohl bald den Rest des Claridenfirns holen, ganz weit im Glarnerland hinten.
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photoSCHWEIZ 2022
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Zwischenspiel. Ist das Kunst – oder kann das weg: Die ewige Frage von Hauswarten und Kuratoren vor und nach jeder Vernissage. Hier in der ZHDK, in der jüngsten 'Diplomausstellung Art Education' hängt die weitere Laufbahn der Bachelors von der Antwort auf genau diese Frage ab. Meine Ansichten tun da wenig zur Sache. Ich betrachte die Spiegelungen im gleissenden Metall der Galerie zwischen den Etagen des Raumes als enges Spielfeld für schier unbegrenztes Tun. Die Gegenstände im Raum schmelzen zu flüssigen Oberflächen dahin: Sie werden Bilder einer Ausstellung, frei vom Anspruch auf Interpretation.
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photoSCHWEIZ 2021
Markus Mäder
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Serendipity, das Glück, etwas ganz anderes zu finden, als was ich gesucht hatte, führte mich diesen Sommer zu Christian Gonzenbachs Denkmal für Louis Chevrolet in La Chaux-de-Fonds. In diesem fünf Meter hohen und acht Tonnen schweren Rundum-Zerrspiegelwerk aus poliertem rostfreiem Stahl erkennen wir den Park, in dem es steht, und nicht zuletzt uns selber, mit tausendundeinmal anderen Augen. Linien verschwimmen, Flächen verkrümmen sich. Alles fliesst. Nichts ist mehr, was es ist und wie es sollte. Als Kinder an der Chilbi lachten wir uns tot darüber. Fragt sich nur: Wie lange ist das lustig, und wann wird es schlimm, dass Trug und Wirklichkeit, Wahrheit und Lug bei der geringsten Verschiebung des Standpunkts durcheinander geraten? Alternative Fakten, Fake Reality, sagen die einen. Andere meinen: Alles nur Ansichtssache. Oder einfach Bilder einer Ausstellung.
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