Reto Schlatter, geboren 1969 und aufgewachsen in Schaffhausen, freischaffender Fotograf, seit 2000 in Zürich, beschäftigt sich intensiv damit, wie sich das Lebensgefühl eines Ortes in Alltagssituationen manifestiert. Dazu gehören Beobachtungen von scheinbar nebensächlichen Tätigkeiten wie zum Beispiel die Altpapiersammlung aber auch die Analyse der Kulturlandschaft, also der Art wie die Menschen ihre Umwelt gestalten und mit der Natur umgehen. In seinen Arbeiten hinterfragt er auch oft die Wahrnehmung von abgebildeter Realität.
Series
photoCORONA
20205 images
"High Noon in Zürich" Die Corona-Krise hat das Verhalten der Leute sehr schnell grundlegend verändert. Alle sind davon betroffen und finden auf ihre individuelle Weise einen Umgang damit. Unter anderem kann ich wegen den wegfallenden Aufträgen endlich wiedermal für meine eigene Sicht auf das Leben unterwegs sein. Dabei stelle ich fest, wie die Leute den städtischen Raum auf neue Art nutzen. Sie geniessen es, Strassen und Plätze für sich allein zu haben, Geschäftseingänge als Schlafplatz zu nutzen oder lassen es sich nicht nehmen, den Stammplatz des Lieblingscafés auch ohne Bedienung zu besetzen. Street Photography ist schon sehr lange ein Thema meiner freien Arbeiten. Mich interessiert, wie sich die Menschen im städtischen Raum bewegen. Ich gebe ihnen gerne viel Raum und setze sie sehr bewusst in Beziehung zur Architektur und ihrem Umfeld.
View the full series
photoSCHWEIZ 2020
9 images
Die Arbeit mit dem Titel „USUS“ ergründet den Kern der schweizerischen Lebensart. Den Drang nach Ordnung, die Disziplin im Alltag und den Anspruch, die Natur zu beherrschen. Im Zentrum stehen Porträts von Menschen, welche mit ihrem Altpapierbündel fotografiert wurden. In der Kulturtechnik der Altpapier-Sammlung konzentriert sich eine Reihe von Werten, welche zum schweizerischen Wertekanon gehören: Ordnung, Disziplin, Pflichtbewusstsein, Verlässlichkeit, Umweltbewusstsein. Die Menschen aus verschiedenen Gesellschaftschichten vereinen diese Werte mit dem Altpapierbündel als Symbol für unsere Lebensart. Dazu kommen Landschaftsbilder, welche für den Drang nach Ordnung, nach gebändigter Natur stehen. Die Schnüre sind gespannt, es wird festgezurrt, eingepackt und eingezäunt. Diese latente Spannung im Alltag. Dieser Zwang zur Ordnung. Diese strengen Ansprüche an sich selbst und andere.
View the full series
